Mit seinem magischen Flötenspiel befreit der Spielmann die Stadt Hameln von den Ratten, die von zahlreichen wuselnden Kindern dar gestellt wurden Die Aufführung des „Rattenfängers von Hameln” feierte im Waitzinger Kelter eine grandiose Premiere

Noch mächtiger - noch bunter:

Publikum bejubelt „Rattenfänger"
Landestheater und Gymnasium übertreffen alle Erwartungen

VON SYLYIA ERTL

Miesbach - Nebelschwaden ziehen durch die Stadt. Langsam durchschreitet der Spielmann das Stadttor und erhebt sich auf dem Brunnen. In ein geheimnisvolles Licht getaucht, beginnt er, auf seiner Flöte eine mystische Melodie zu spielen. Kleine Kinder reiben sich die Augen - erwacht von der magischen Musik. Die Flötentöne werden lauter und ungeduldiger, bis die Kinder schließlich in Nachthemden, die Kuscheltiere, noch im Arm, auf den Marktplatz strömen und sich um den spielenden Mann scharen: Immer mehr kommen aus den Häusern herbei und folgen verzaubert dem Spielmann, der die Kinder aus der Stadt Hameln lockt. Nur ein blindes Mädchen und ein tauber Junge bleiben zurück, Sie berichten nun den verzweifelten Eltern, was sich in dieser Nacht zugetragen hat.
Wer kennt es nicht, das Märchen vom „Rattenfänger von Hameln”. Schon in Kindheitstagen hat es bei vielen ein schauerliches Gefühl verursacht. Nun erwachte Hameln zu neuem Leben - bunter, lebendiger, ja mächtiger und großartiger; als die Besucher es in ihren Gedenken zurückgelassen haben. Das Gymnasium Miesbach und das Freie Landestheater Bayern . (FLTB) zauberten ein enormes:. „Speckmusitakel" auf die Bühne des Waitzinger Kellern und bewiesen damit, dass man die kühnsten Träume noch übertreffen kann: Sie nahmen das Premierenpublikum im voll besetzten Saal mit in das Jahr 1286 und zeigten, wie sich die: Geschichte damals wirklich zugetragen hat.
Es war schlicht überwältigend, mit wie viel Liebe zum Detail und Perfektionismus die Inszenierung von Rudolf Maier-Kleeblatt aufwartete. Die pompöse, Kulisse, die traumhaften Kostüme, die bayerischen Texte und die wunderschöne Musik vereinten sich zu einer vollkommenen Aufführung. Vor allem aber die vielen Kinder und Jugendlichen, die an diesem Abend nicht nur grandios spielten und sangen, sondern mit Leib und Seele mit dem Stück verschmolzen waren, übertrafen sich selbst. Egal, ob die Sänger aus dem Chor, die Mädchen der Tanzgruppe: die Musikanten, die jüngsten Kinder oder die jugendlichen Schauspieler - den über 100 Schülern des Gymnasiums Miesbach gelang es unter der Leitung Maier-Kleeblatts, ein fantastisches Märchen zu gestalten, das im Rückblick erzählt wurde. Der Spielmann hatte mit seinem Flötenspiel die Stadt Hameln von den Ratten befreit, dargestellt von wuselnden Kindern in Rattenkostümen. Doch die Obrigkeit wollte die Belohnung von 1000 Gulden nicht mehr zahlen. Lorenzo Achatz glänzte hier In der Rolle des Rattenfängers. Mit italienischen Schimpftiraden und einem beeindruckenden Flötenspiel riss er das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Die. Rache des Flötenspielers aber war entsetzlich; denn nun lockte er alle Kinder aus der Stadt.
Stürmischer Beifall, der nicht enden wollte, und stehende Ovationen belohnten '
diese Glanzleistung

MM 26.9.05

Zu Höchstform aufgelaufen

Miesbach (ups) Der Spieltann zog sie alle in seinen Bann. Die Kinder, die Ratten und das Publikum. Mt Ende wollte der Applaus nicht enden, die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und alle Darsteller strahlten. Das Speckmusitakel "Der Rattenfänger von Hameln" hatte vergangenes Wochenende seine Uraufführung im Waitzinger Keller und begeisterte das. Publikum bei den restlos ausverkauften Vorstellungen (die nächsten sind im Januar). Die Geschichte des Rattenfängers, der im Schicksalsjahr 1296 die Kinder aus der Stadt Hameln lockte, ist alt und bekannt, Die Inszenierung, die der Intendant des Freien Landestheaters Bayern, Rudolf Maier-Kleeblatt, zusammen mit dem Miesbacher Gymnasium und der Parsberger Grundschule präsentierte, war eine wunderbare Neugestaltung.
Es war fast so, als wäre das Stück völlig auf die jeweiligen Charaktereigenschaften der einzelnen Darsteller geschrieben. Überhaupt war eine grossartige Leistung, was die jungen Schauspieler, Sänger, Tänzer Und Musiker zusammen mit den Profimusikern des Landestheaters auf die Beine stellten. Unter der Regie von Elisabeth Neuhäusler und Veronika Walther liefen die jungen Akteure zu Höchstform auf und schlüpften in die unterschiedlichsten Rollen. Mal. spielten sie Ratten, die in liebevoll gestalteten Kostümen über die Bühne huschten oder stellten die Bürger von Hameln dar, die von orientalischen Tänzerinnen verzaubert wurden.
Eine grossartige Leistung zeigte Hauptdarsteller Lorenz Achatz, der in die Rolle des Rattenfängers schlüpfte. So brav wie er auf seiner Querflöte spielte vermittelte er den Eindruck, als könne er nie mit jemandem böse sein und würde ganz in seinem Flötensiel aufgehen.
Als ihm aber dar Bürgermeister (Harald Kirchschlager}. und die Ratsherren seine versprochene Belohnung für die Befreiung voll der Rattenplage nicht bezahlen wollen, ändert sich das eben noch so freundliche Wesen schlagartig. Wutentbrannt rast er über die Bühne, schimpft, schreit und verlässt schliesslich die Stadt.. Nur ein kleiner Junge und der Nachtwächter (Martin Hallmannsecker) warnen vor der Ungerechtigkeit und können aber nichts daran ändern, das der Rattenfänger im Morgengrauen mit den Kindern von dannen zieht. Zum Glück kommt er am Ende des Stückes wieder mit ihnen zurück auf die Bühne, damit sie den verdienten Applaus geniessen können.

Rundschaumagazin