La Bohème

Oper von Giacomo Puccini
Libretto: Giuseppe Giacosa & Luigi Illica


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Uraufführung 1896
FLTB-Premiere: 19.02.2005 im KUBIZ in Unterhaching

 

Paris, Quartier Latin, um 1830. In einer Mansarde leben – in ständiger Geldnot, aber voller Elan – der Dichter Rodolfo, der Maler Marcello, der Musiker Schaunard und der Philosoph Colline. Am Weihnachtsabend tritt durch einen Zufall eine Nachbarin, die Schneiderin Mimì, in Rodolfos Leben. Die beiden verlieben sich ineinander. Sie ziehen zusammen, doch ihre Liebe wird schon bald von Rodolfos Eifersucht überschattet. Als Mimìs voranschreitende Schwindsucht eine Trennung unausweichlich zu machen scheint, kehrt Rodolfo zu seinen Freunden in die Mansarde zurück. Monate später sucht ihn Mimì dort, vom Tod gezeichnet, auf. Jetzt erst erkennt Rodolfo, was er mit ihr unwiederbringlich verliert. – „Wenn man sich nicht fest in der Gewalt hat,“ so schrieb Debussy über Puccinis frühes Meisterwerk, „dann wird man allein vom Feuer dieser Musik fortgerissen.“

Die Liebesbeziehung zwischen Mimi und dem Dichter Rodolphe bietet eine Chance der Veränderung. Doch der Dichter begreift nicht, was ihm entgegengebracht wird. Der Alltag ergreift Besitz von seiner Liebe und verwandelt sie in Alltägliches. Rodolphe erkennt nicht, dass Mimi, die ihn über alles liebt, diese ihre Liebe in den Alltag hinein retten möchte. Mimis Krankheit erweist sich als Symptom für die Lebensqualität im Bohèmekreis, in dem sie ihrer Einsamkeit zu entkommen sucht. Das Mädchen wird die Schlüsselfigur der Oper, welche die Frage nach einer lebenswerten Zukunft zum vornehmsten Politikum in einer Welt erklärte, in der das Menschliche zur Nebensache zu verkommen droht.

Puccinis Auffassung entspricht die sensible Lyrik seiner Musik ebenso wie deren harte Kontraste. Es ist die Musik der »kleinen Dinge« mit der Puccini die Grundsätzlichkeit und weitreichende Konsequenz der Alltagskonflikte einfacher Menschen darzustellen wusste. Er tat es aus dem Empfinden heraus, dass in ihrer Lösung eine Chance für die Menschen liege.

Scènes de la vie de Bohème nannte Henri Murger sein schnell berühmt gewordenes Buch, das die Anregung zur Oper La Bohème gab. Die vier miteinander verknüpften Stationen der Bohèmiens, die der Komponist mit seinen Librettisten Luigi Illica und Giuseppe Giacosa aus der verzweigten Episodenhandlung des Romans gewann, bedeuten eine Konzentration auf Substantielles menschlicher Beziehungen. Die von dem Musiker erspürte, im Zuge der industriellen Entwicklung Italiens gegen Ende des vorigen Jahrhunderts immer deutlicher zu Tage tretende Versachlichung von Beziehungen prägte die Gestaltung der Oper.