Presse
Pressespiegel
KULTUR: Miesbacher Merkur 24.3.2003
„Musical-Sensation des Freien Landestheaters feierte umjubelte Premiere“.
„Die phantasievolle musikalische Neubearbeitung, das fulminant-mitreißende Orchester, die authentisch-rekonstruierten Kostüme und das kongeniale Bühnenbild machen aus diesem Musical einen Hochgenuss“.
SZ:
„Ein außergewöhnlicher Musiktheater-Abend“.
„Eine überragende Leistung, die stets den richtigen Ton trifft“.
„Brillant und spielfreudig sind Chor und Orchester“.
„Exzellent ist das klare Bühnenkonzept“.
Allgäuer Anzeigeblatt
9./10.08.2003
Dem König an die Wäsche gegangen
Deutsches Theater: "Lola Montez" - die neue alte Operette für München
Ach, wie wahr: "Die Welt ist nur ein Schachbrett" - und weil das so ist, hatte Lola Montez in München keine Chance, außer bei dem König Ludwig I. Auf ihn machten die "Känguru-artigen Sprünge" der Tänzerin, die aus Irland stammte, mächtigen Eindruck. Sie wurde seine Geliebte. Ihr Anteil an seinem Rücktritt im Jahr 1848 war beträchtlich.
Immerhin: Als bayerische Madame Pompadour im Westentaschenformat nötigte diese Dame, die keine war, nicht nur den Filmregisseur Max Ophüls, sondern auch das Team Peter Kreuder (Musik) und Maurus Pacher (Text) zu einer definitiven Aussage. Der Film wurde ein Meisterwerk. Das Musical, besser gesagt, die Operette, blieb erst mal 30 Jahre lang verschollen, bis der Pianist und Komponist Timm Tzschaschel die Noten im Nachlass des Komponisten entdeckte.
Jetzt wagte sich das Freie Landestheater Bayern damit ins Deutsche Theater. Das Premierenpublikum hatte seinen Spaß. Und das nicht ohne Grund. Regisseur Georg Blüml setzt auf handfeste Pointen. Lolas Begleiter heißt Bébé, ist schwul und spielt das geschmack- und gnadenlos über die Rampe (Martin M. Fösel). Auch Ludwigs Enkel Louis, der spätere Ludwig II., darf seine homophilen Neigungen andeuten. Bei Kreuder/Pacher ist der Knabe etwa zwölf. Tatsächlich steckte er, als sein Großvater die Affäre mit Lola Montez begann, noch in den Windeln.
Aber eine Operette braucht sich um historisch genaue Wahrheiten nicht zu kümmern. Da ist es eben doch viel amüsanter, die Sorgen der Oberwäschebeschließerin Emerenzia Kachlmoser (herrlich: Susanne Brantl) nachzuvollziehen, die penibel aber erfolglos über die Unbeflecktheit der königlichen Bettwäsche zu wachen hat.
Urmünchnerische Chronique scandaleuse
Peter Kreuders Musik zu all dem königlich-bayerischen Durcheinander ist einprägsam und pfiffig. Anleihen bei den Kollegen Eduard Künneke oder Leo Fall sind sicher rein zufällig. Dirigent Rudolf Maier Kleeblatt und die Akteure auf der Bühne, voran Elisabeth Neuhäusler in der Titelpartie, Alfred Hörmayer als Ludwig I. und Marko Kathol als verliebter Leutnant Nußbaumer ließen sich davon zum Glück nicht beirren (...)
9./10.8.2003
Großer Auftritt für Rudolph I.
Empfangen wie ein König: Moshammer repräsentiert im Deutschen Theater
Den hab i ja scho ewig nimmer g'sehn", murmelt ein Herr im Zuschauerraum. Dann brandet Beifall auf. Für Rudolph Moshammer. Gefeiert wie ein Monarch läuft der Modezar zur Lola Montez-Premiere im Deutschen Theater ein - und genießt seinen großen Auftritt (mit Daisy) sichtlich. Standesgemäß winkend wie die Queen. Dass es irgendwelche Ähnlichkeiten mit Bayernkini Ludwig I. haben soll, streitet Mosi (Jackett in royalistischem Blau, farblich darauf abgestimmt Sonnenbrille) aber galant ab: "Das haben jetzt Sie gesagt." Immerhin hat er schon einmal zugegeben, dass er am liebsten im 19. Jahrhundert gelebt hätte. Ähnlich gespreizt wie Mosi gibt sich Dunja Siegel, die erste Ex von Schlager-König Ralph Siegel: "Keine privaten Fragen, bitte!" Langsam könnte man den Eindruck bekommen, dem ganzen Siegel-Clan bekommt die Sonne nicht. Auch Giulia (sonst für alles zu haben) ziert sich in letzter Zeit, gibt ungern Interviews. Und Marcella flüchtet von Partys, wenn sie ihre Schwester sieht (so geschehen bei der Terminator-Premiere). Ob wir da etwas nicht mitbekommen haben?
Gewohnt umgänglich dagegen Fremdenverkehrs-Chefin Gaby Weishäupl. "Ich freu mich über dieses Stück. Man hört ja so selten bairischen Dialekt auf der Bühne", lobt sie Theater-Chef Heiko Plapperer-Lüthgarth. Der sich umgehend bedankt: "Nach so vielen amerikanischen Produktionen war jetzt einfach mal was Bairisches dran." Bei der Premierenfeier gesichtet:(...)
Hannoversche Allgemeine
Lola tanzt
22 Jahre nach dem Tod des Komponisten wird Peter Kreuders Musical “LolaMontez" in München uraufgeführt Ludwig II. hat bereits seit einigen Jahren sein Musical. Sein Großvater Ludwig I. hätte ihm mehr als eine Nasenlänge voraus sein können, aber Peter Kreuders Musical “Lola Montez³ wurde zwar schon zum 70. Geburtstag des Komponisten (im Jahr 1975) im Werkverzeichnis aufgeführt, jedoch nicht auf der Bühne.
Bis jetzt. Eine Peter-Kreuder-Uraufführung 22 Jahre nach dem Tod des Erfolgskomponisten, der Evergreens wie “Ich brauche keine Millionen³, “Sag beim Abschied leise Servus³ oder “Good bye Johnny³ schrieb! Ist die Zeit reif? Oder brauchte Rudolf Maier-Kleeblatt, der Intendant und Musikalische Leiter des Freien Landestheaters Bayern, nur neues Futter für sein “künstlerisches Credo³ (drunter macht man es heutzutage nicht mehr): “Hochkultur auf Bairisch³.
Jedenfalls präsentierte die Landesbühne aus dem oberbayerischen Miesbach “Lola Montez³ jetzt als Uraufführung im Deutschen Theater in München wo einst der blutjunge Peter Kreuder musikalischer Leiter war.
Ein “Musical mit Münchner Charme³ wurde versprochen, aber das bedeutet vor allem, dass Nordlichter im Publikum bei weitem nicht alles verstehen (es gibt keine Übertitel auf Hochdeutsch). Das ist schade bei einigen Dialogen und nicht ganz so schade bei etlichen Liedtexten des Münchener Feuilletonisten Maurus Pacher, der schon mal die Erkenntnis “Tanzen ist Beten mit den Füßen³ auf “Schuld zu büßen³ reimt.
Obendrein wirbt man mit dem Slogan “Historische Kostüme und aufwendiges Bühnenbild³. Das hat etwas Rührendes wie bei Kleinzirkussen, die gerne darauf hinweisen, dass sie große Tiere vorzeigen können. Das Freie Landestheater hat an den Kostümen (Katrin Scheeser) nicht gespart. Und Bühnenbildnerin Simone Speer zeigt, was man mit geringen Mitteln alles kann: links der Kopf der Bavaria (wenn man ihn dreht, wird daraus das Bett von Ludwig I.), rechts ein großes Bilderalbum zum Umblättern. Kein ganz dummer Rahmen für einen bayerischen Bilderbogen, der die wahre Geschichte einer falschen spanischen Tänzerin erzählt, die einen Monarchen ins Straucheln bringt.
Aber neugierig war man weniger auf das Geschichtsbild als auf das Klangbild. Hat Peter Kreuder eine fertige Partitur hinterlassen? Einen Klavierauszug, der in Kreuder-Manier arrangiert wurde? Das Ergebnis pendelt jedenfalls zwischen musikalischem Schwank und Operette, man hört den “Ufa³-Ton ebenso wie Peter Kreuders Liebe zum Jazz-Idiom. Vor 30 Jahren hätte das wohl sehr gestrig gewirkt, jetzt hat es etwas augenzwinkernd Altmodisches.
Es gibt ein etwas pathetisches Liebesduett, bei dem aber nicht der König Lolas Partner ist, sondern sein Adjutant, der später sein Leben für Lola opfert. Peter Kreuder zeigt all seine Routine im Verfassen von Genrestücken: Schon im Vorspiel erklingen Kuhglocken, später changiert er zwischen Chanson und Couplet, zwischen Arioso und Volksopernton und scheut beim Tod des Adjutanten auch nicht davor zurück, einen pseudospanischen Totentanz mit einem Kyrie zu kontrapunktieren. Im Finale, wenn die besiegte Lola Montez das Feld räumen muss, klingt gar ein bisschen orffsches Welttheater mit auf bairische Art. Das alles hat etwas Entwaffnendes, zumal sich das Ensemble des Freien Landestheaters mit Herzblut engagiert. Elisabeth Neuhäuser als Lola beherrscht die Peitsche etwas besser als den erotischen Tanz, Alfred Hörmayer ist ein anrührender Ludwig mit Johannistrieb, und auch kleinere Rollen sind meist diesseits der Chargen-Grenzlinie besetzt.
Die Musical-Geschichte muss nach dieser verspäteten Uraufführung ebenso wenig umgeschrieben werden wie die bayerische Geschichte. Aber wer ein Faible für beide hat, wird sich amüsieren.
RAINER WAGNER
Münchner Merkur
9.12.2003
Mitreißende Inszenierung
Musical “Lola Montez” im Bürgerhaus
Garching (rnf) - Lola Montez hat den Männern vor 150 Jahren schon den Kopf verdreht, und jetzt hat sie auch die Garchinger um. den Finger gewickelt: Im August wurde das Musical "Lola Montez" im Münchner Deutschen Theater uraufgeführt; nun gastierte es im Bürgerhaus Garching und beeindruckte mit einer Vielzahl an Details: Zum Beispiel ein aufwendiges Bühnenbild mit riesiger Bavaria-Skulptur und , dem berühmten Lola-Montez-Portrait in der Schönheitsgalerie, Kostüme, die einen Hauch von anno dazumal verbreiten, ein rnitreißendes Orchester voller ,Spielfreude und ein Ensemble , das eine brillante Leistung auf die Bühne brachte: Verruchtheit, Witziges und bayerische Seele (Es lebe die Revolution - und das Bier") gehören da selbstverständlich dazu.
Natürlich darf auch die Erotik nicht fehlen, für die die Lola Montez ja berühmt war. Sie lässt sich In Strapsen und im federbesetzten Neglige blicken und versteht sich hervorragend aufs Flirten. Kein , Wunder, dass diese Frau von einer Affäre in die andere stolpert und sich nicht nur damit zufrieden gibt, dass der König sein Herz an sie verloren hat. Sie bandelt noch mit dem jungen Adjutanten an und in der Studentenschaft lässt sie eben falls nic'hts anbrennen.
Klar ist auch, dass so viel pikante Emanzipation in einer aufgeheizten Stimmung der Unruhen auf eine Katastrophe hinaus laufen muss - und die ist altbekannt und legendär: Als falsche Spanierin reist sie durch Europa, angelt sich 1846 den König, der sie zur Gräfin macht, und nach eineinhalb Jahren wird sie, sowohl vom Adel als auch vom Volk aus München gejagt.
Einen - wesentlichen Beitrag am Erfolg des Musicals hat auch die große Bandbreite der Musik, die auf Kompositionen von Peter Kreuder basiert. Mit Marsch, Walzer, Tango, Swing, symphonischen Klängen und typischen Musical-Songs mangelt es wahrlich nicht an Vielfalt und Abwechslung, Und da das Verhältnis von Lola Montez und König Ludwig I. eine bayerische Staatsangelegenheit war, dürfen auch bayerische Musi und Mundart nicht fehlen. Und dieser bayerische Charme setzt der gelungenen Darbietung gewissermaßen die Krone auf
31.03.2003
Ein Hauch mehr Verruchtheit erwünscht
Voraufführung des Musicals "Lola Montez"
VON EVELINE SILKENSTEDT
Starnberg - Femmes fatales und ihre Skandalgeschichten bieten erfolgsträchtigen Stoff in Literatur und Musik. Lola Montez ist das Luder, dass die Münchner zur Palastrevolution aufstachelte und die noch junge bayerische Monarchie ins Wanken brachte. Von dieser skandalösen Affäre erzählt das neue Musical "Lola Montez" von Maurus Pacher. Die Zutaten - deftige Mundart, altbayerisches Lokalkolorit und die lockere Unterhaltungsmusik von Peter Kreuder - machen das Ganze zu einer unterhaltsamen Mixtur. Eine Musical-Voraufführungen konnten die Starnberger am Freitagabend in der Schlossberghalle erleben. Die Welturaufführung ist am 7. August im Deutschen Theater München geplant.
Die Musical-Musik Peter Kreuders enthält viele unterschiedliche Elemente. Es sind Marsch, Walzer, Songs und Swing ebenso vertreten wie auch symphonische Teile - ein unterhaltendes Potpourri. Das Ensemble des Freien Landestheaters Bayern, dessen Schwerpunkt auf regionalem Repertoire liegt, ist der rechte Ort für das Mundartstück. Bewährte Musiker, Chormitglieder und Solisten haben sich vorgenommen, das Musical-Kind erfolgreich zur Welt zu bringen.
1846 schwelgt München im Faschingsrausch, das aufgeputschte Volk feiert auf dem Marienplatz. Während die Gesellschaft den Aufstand probt, steht das Frauenbild der Zeit fest. Groß und mächtig steht ihr Sinnbild, die Bavaria, auf der Bühne. Sie ist wandelbar, je nach Bedarf, mal erhabenes Standbild, mal Schlafgemach des Königs. Ihr Gegenteil ist Lola Montez. Locker spielt Christin Mollnar die machtbewusste Vollblutfrau, überzeugt mit ihrem kraftvollen Sopran. Ein Hauch mehr an Verruchtheit wäre zu wünschen, trotz Strapsen und durchsichtigem Negligé. Sie und ihre unglücklichen Buhler, der alternde König (Christophe Vetter), sein junger Adjutant Nußbaumer (Marko Kathol) und Student Martaler (Robert Sellier), sind das tragische Element der Geschichte.
Doch auch der Spaß hat seinen Platz. Da ist der ehemalige Tänzer und Homosexuelle Bébé, Lolas Begleiter. Georg Blüml ist ein komödiantisches Naturtalent, dessen schauspielerischer Mut sich leider erst nach und nach entfaltete. Es ist ein Sehvergnügen, wie die barocke Gestalt geziert und vergeblich filigran ihre Ballettträume träumt, zum Lachen der Kampf mit der Zofe Emerenzia (Susanne Brantl), die mit komödiantischen Finessen um seine Zuneigung kämpft.
Das Landestheater-Ensemble ist auf dem richtigen Weg. Und es ist ja noch etwas Zeit bis zur Uraufführung.
13.08.2003
Im Jahr 2003 erobert Lola Montez die Herzen der Münchner
Umjubelte Premiere im Deutschen Theater
VON GABI WERNER
Miesbach/München - Für Rudolf Maier-Kleeblatt und sein 100-köpfiges Ensemble ist ein 20-jähriger Traum in Erfüllung gegangen: Mit ihrem Erfolgs-Musical "Lola Montez" von Peter Kreuder, das auf heimischer Bühne in Miesbachs Waitzinger Keller bereits bejubelt wurde (wir berichteten), feierten sie jetzt eine glanzvolle Premiere im Deutschen Theater in München. Etwa 1500 Besucher erlebten die gelungene Inszenierung des Freien Landestheaters Bayern (FLTB) und die sagenumwobene Geschichte der Herzensbrecherin Lola Montez, der König Ludwig I. mit Haut und Haar verfallen war. Zahlreiche Prominente erwiesen bei der Premiere dem Landestheater die Ehre, das auf der Münchner Bühne erstmals eine Großproduktion vorstellte. Ins Premieren-Publikum mischten sich neben dem Münchner Modezar Rudolph Moshammer auch "Rosenheim Cop" Joseph Hannesschläger, Ivonne Prinzessin von Hessen und Komponisten-Witwe Ingrid Kreuder.
"Für uns bedeutet die gelungene Premiere einen großen Karriere- und Bekanntheitssprung", sagt Maier-Kleeblatt, der das Freie Landestheater Bayern 1981 aus der Taufe hob. "Die harte Aufbauarbeit der vergangenen Jahre hat sich absolut gelohnt", erklärt der 48-jährige Intendant, der allen Unterstützern ausdrücklich dankt. Denn: "Alleine hätten wir das nicht erreichen können."
Auch für Heiko Plapperer-Lüthgard, Intendant des Musentempels an der Schwantalerstraße, freut sich über das Gastspiel der Miesbacher: Nach 50 Jahren werde endlich wieder Mundart im Deutschen Theater gesprochen. Er erinnerte sich zurück an die Abende mit Lisl Karlstadt und anderen bekannten Volksschauspielern, die er als Kind im Theater seiner Eltern erleben durfte.
Strahlender Star des Abends war ohne Zweifel die Miesbacher Sängerin und Darstellerin Elisabeth Neuhäusler in der Titelrolle der verführerischen Lola Montez. Die Kritiker der Münchner Presse lobten ihre "schöne dunkle Stimme" und eine "forsche, stimmfeste Lola", die auch einen ganz hübschen spanischen Tanz aufs Münchner Hofparkett gelegt habe. "Wir haben unglaublich viel Beachtung und Anerkennung durch regionale und überregionale Medien erfahren", zeigt sich Rudolf Maier-Kleeblatt zu Recht stolz. Manche Journalisten hätten kaum glauben wollen, dass es in Miesbach so ein Theater gibt. Aber es gibt es tatsächlich.
09.08.2003
Ein Vorbild an Verführungskünsten
München schwelgt bei der Premiere des Musicals "Lola Montez" im Deutschen Theater
Sie spaltete die Münchner vor gut 150 Jahren wie keine Frau vor ihr, und ein bisschen tut sie es noch heute: die rassige spanische Tänzerin Lola Montez, Geliebte von König Ludwig I.. Hunderte, zumeist Männer, lagen ihr zu Füßen. Der Rest der Münchner verdammte die Frau, die öffentlich rauchte, immer einen Dolch bei sich trug und schon mal mit der Reitpeitsche um sich schlug.
Viele Jahre nach dem Tod des Komponisten Peter Kreuder hat seine Witwe Ingrid das zum Teil mundartliche Musical nun zur Uraufführung gebracht. "Das ist schon ein besonders schönes Gefühl für mich, dieses Stück heute Abend auf der Bühne zu sehen. Schließlich hat es mich zweimal viel Mühe gekostet: Einmal während mein Mann komponierte und nun während der Querelen um die Uraufführung", verrät Ingrid Kreuder bei der traditionellen Premierenfeier im Theaterkeller. Immer schon habe ihr Mann die Montez verehrt, wie er überhaupt ein Fan der "Madame Scandaleuse" gewesen sei, so die Witwe des Erfolgsmusikers.
Fremdenverkehrschefin Gabriele Weißhäupel, die im Dirndl zur Premiere gekommen war, lobte die Pointen in bayerischem Dialekt (besonders der "königlichen Wäschebeschließerin" Emerenzia Klachlmoser, gesungen und gespielt von Susanne Brantl oder des kleinen Prinz Ludwig II., gespielt vom 11-jährigen Moritz Neuhäusler). Die Fremdenverkehrs-chefin sieht die zwiespältige Beziehung zwischen der spanischen Tänzerin und der Stadt München: "Durch ihre schillernde Persönlichkeit wäre Lola Montez eine Bereicherung für München gewesen, löste im konservativen 19. Jahrhundert aber gleichzeitig auch Skandale aus".
Verschiedener Meinung über die Aufführung waren Modezar Rudolph Moshammer und Dunja Siegel, die wegen einer Meniskus-Verletzung zur Zeit an Krücken läuft. Während Moshammer zwar die Melodien seines alten Bekannten Kreuder lobte, sich "seine" Montez aber noch erotischer und verführerischer gewünscht hätte, war die Exfrau von Komponist Ralph Siegel überzeugt: "Von Lola Montez` Verführungskünsten können sich alle Frauen etwas abschauen. Auch heute noch."
Claudia Heckelmann
08.08.2003
Königliche Kuschelei
Deutsches Theater: Sommer-Vergnügen mit "Lola Montez"
Von "Chorus Line" bis "Jesus Christ Superstar", das Brit- und US-Musical ist total abgeäst. Da kam dem Münchner Deutschen Theater die männermordende "Lola Montez" wie gerufen, und dann noch von Peter Kreuder (1905-81), dessen Hits wie "Sag' zum Abschied leise Servus" auch eingefleischte Theater-Muffel einst begeisterten. Timm Tzschaschel, seit langem beschäftigt mit dem Nachlass des UFA- und Operetten-Komponisten, hatte das noch unveröffentlichte Musical entdeckt und dem Miesbacher Freien Landestheater Bayern (FLTB) zur Uraufführung angeboten: die "Spanische Tänzerin" von Skandal umwittertem Ruf, die, 1846 in München angekommen, dem 60-jährigen König Ludwig I. die Liebeslust neu entfachte, ihn aber 1848 den Thron kostete - eine echt bayerische Story um "sex & politics"!
Der Deko-Riesenkopf der Bavaria gleich als Symbol fürs Heimatliche. Umgedreht wird daraus Lolas Boudoir, meistenteils jedoch Ludwigs I. rotsamtenes Baldachin-Bett - für königliche Kuscheleien oder auch erotische Zweiminüter Lolas mit dem stürmischen Leutnant Nußbaumer. Hauptsächlich um diese intime(n) Montez-Geschichte(n) ging es Autor Maurus Pacher, als er "Lola" mit Kreuder 1972 ausheckte. In acht Bildern also: Ankunft von Lola Montez im Faschingskehraus.
Blasmusik und Broadway
Mit herrischem Peitschenknall erobert sie sich die Bewunderung der Studenten, mit ihrem Ohnmachtstrick den König. Bald hängt ihr Bildnis in Hofmaler Stielers Schönheitsgalerie. Der Traum der zur Gräfin Landsberg Geadelten ist jedoch vorbei, als Ludwig I. sich für Rücktritt entscheidet, Nußbaumer (Marko Kathol) von einer Kugel tödlich getroffen wird und die Bürger im Perchten-Ritual die "babylonische Hur'" aus der Stadt mobben.Und nix Politik? Hitziger Volksaufruhr immerhin, auch bildkräftig inszeniert, im sechsten Bild, wo Lola, gestärkt durch ihre Alemannen-Studentengarde, sich ihren Gegnern mutig entgegenwirft. Wäre jetzt spannend gewesen, hier einzuholen, dass die gebürtige Irin Eliza Gilbert für eine aufgeklärte liberale Staatsform eintrat - und das als gerade mal 25-Jährige im 19. Jahrhundert! Sie zwar genusssüchtige Königsmätresse, aber auch Katalysator in einer zwischen erstarktem Bürgertum und dem restaurativen Ludwig I. sich zusammenbrauenden Umbruchsperiode. Da hätte man eventuell umschreiben müssen, mit Zustimmung von Pacher und Kreuders Witwe.Stattdessen vor München-Kulisse, die an einem großen Diptychon auf- und umgeblättert wird (Bühne: Simone Speer) eine Reihung von Anekdoten, von der "Bierrevolution" über Ludwigs frisch beflügelte Dichtkunst bis zum hart erkämpften Techtelmechtel der Oberwäschebeschließerin mit Lolas schwulem Begleiter Bé´bé´. Wobei Susanne Brantl mit feschem Schürzen-Charme und Martin M. Fösl mit prallrund ballettöser Grazie aus ihrer Buffonummer ja noch ein Bravourstückchen machen. Elisabeth Neuhäusler ist eine forsche, stimmfeste Lola Montez, legt auch einen ganz hübschen spanischen Tanz (Michael Kitzeder) aufs "Hof-Parkett". Alfred Hörmeyer gibt einen gar nicht alten baritonalen Ludwig I. Überhaupt erweist sich das FLTB als gesanglich durchaus solide in Kreuders melodischer Operetten-Musical-Kreuzung, die hinübergleitet von spanischen Klängen zu jazzigem Broadway, neben bayerischer Blasmusik auch Tango duldet.Einiges in Georg Blümls Inszenierung läuft linkisch, aber die Stärke des FLTB ist sein sympathischer Ensemblegeist, gehalten auch von der musikalischen Leitung seines Intendanten Rudolf Maier-Kleeblatt. "Lola" wird wohl nicht als "weißblaue Evita" in den Musical-Olymp eingehen - ein volkstheaterliches Sommervergnügen ist sie allemal.
MALVE GRADINGER
10.03.2003
Verführerische Lola Montez probt ihren Tanz
Premierenfieber beim Freien Landestheater
Miesbach (jhd) - Noch knapp drei Wochen bis zur ersten Vorstellung am 18. März: Auf der Bühne im Waitzinger Keller Miesbach herrscht dichtes Gedränge. Junge Herren mit blauen Uniformen und eine biedermeierlich gewandete Gruppe drängen von den Auftrittsgassen auf die Bühne und hinaus. Mitten unter den Chorsängern des Freien Landestheaters Bayern bahnt sich eine Dame im violetten Morgenmantel den Weg zum König. Viel freies Bein ist zu sehen. Die Herren strahlen. Ihre Kollegin Elisabeth Neuhäusler hat als Lola Montez einiges zu bieten. "Nein Stopp !" Der Ruf kommt von Spielleiter Georg Blüml. Fünf Monate hat er mit dem Ensemble an den acht Bildern des Musicals "Lola Montez" geprobt, auch an dieser Szene: Lolas Erwachen nach einer Nacht mit dem bayerischen König. Doch jetzt - beim ersten Durchlauf mit Kostümen - hängt die Szene. Der Umgang mit den originalen Dekorationen und Requisiten muss erst noch eingeübt werden. Das ist wichtig, weil der Chor bei allen Vorstellungen selbstständig die Verwandlungen des Bühnenbilds durchführt. Diese müssen an den Gastspielorten ebenso gut funktionieren wie am Premierenort. Alle Abteilungen bearbeiten parallel ihre speziellen Probleme, während die von den Salzburger Festspielen bekannte Theaterfotografin Anne Kirchbach einen Film nach dem anderen verschießt. Am Klavier erörtern Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt und Timm Tzschaschel, der Peter Kreuders letztes Bühnenstück instrumentiert hat, Details. Bühnenbildnerin Simone Speer überprüft die Farben der Wände in der Münchner Residenz und ihres selbst gemalten weißblauen Wolkenprospekts. Und Elisabeth Neuhäusler, die Miesbacher Lola, übt ihre spanischen Nationaltänze im Originalkostüm. Zur Premiere erwartet werden Ingrid Kreuder, die Witwe des Komponisten, und Textdichter Maurus Pacher, der eigens aus den Niederlanden anreist. "Diese Produktion ist eine der aufwändigsten in der 22-jährigen Geschichte des Freien Landestheaters, die Nachfrage von Seiten der Gastspielorte bis weit ins Jahr 2004 enorm", so Maier-Kleeblatt.
mm Datum: 10.03.2003
Schweinfurter Tagblatt
Wenn die Tänzerin für den König die Bluse aufreißt
Musical „Lola Montez" im Schweinfurter Theater mit buntem Münchner Lokalkolorit und unfreiwilliger Komik
Von MANFRED HERKER
SCHWEINFURT Leichte Musicali-Sommerkost servierte das Freie Landestheater Miesbach mit „Lola Montez" von Maurus Pacher und der Musik von Peter Kreuder in Schweinfurt. Intendant und Dirigent Rudolf Maier-Kleeblatt möchte in der Auswahl seiner Stücke für die „Hochkultur auf Bairisch" eine Lanze brechen. Wer bei „Ich brauche keine Millionen", „Im Leben geht alles vorüber" und „Sag beim Abschied leise Servus" an Peter Kreuder (1905 bis 1981) denkt, liegt zwar richtig, doch selbst für einen so vielseitigen Musiker und Komponisten waren solche Evergreens eher Glücksfälle. Hier dagegen erklingt ein solider Mix mit Anklängen von Lehár, Puccini, Orff und Bernstein, aus bayrischer Blasmusik und Tangoklängen.
Das zu registrieren, macht schon viel Spaß, dazu musiziert das kleine Orchester im Schweinfurter Theater mit viel Frische und Elan. Dieser Eindruck einer guten Ensembleleistung und einer sympathischen Theaterbegeisterung aller Mitwirkenden setzt sich auch auf der Buhne fort.
Erzählt wird die wahre Geschichte der aus Irland stammenden Eliza Gilbert, die als spanische Tänzerin Lola Montez die Liebe von Ludwig I. gewann. Diese Affäre und die revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 bewirkten die Abdankung des Königs. In acht Bildern wird dieses Geschehen frei nach gezeichnet. Besonders überzeugend sind die großen Szenen des Münchner Volks, etwa beim Aufstand oder beim Faschingskehraus: Prächtige Kostüme, wunderschöne Perchten-Masken und ein pfiffiges Bühnenbild mit dem riesigen Kopf der Bavaria zeigen die sorgfältige Vorbereitung der Inszenierung von Georg Blüml. Doch die Regie sorgt auch für Ungereimtheiten und unfreiwilliger Komik. Etwa bei den I.iebesszenen oder bei Lolas Tanz in der Kirche. „Bist du auch nackt so schön?" fragt Ludwig. Und Lola reißt sich in bester Klimbim-Manier energisch die Bluse auf. Vorhang. Pause. Aber der übrige flüssige Handlungsablauf, das bunte Münchner Lokalkolorit und die guten Leistungen der Hauptdarsteller und des Chores umschiffen letztlich solche Klippen. Elisabeth Neuhäusler ist eine provozierende Lola, Alfred Hörmayer der arg verliebte Bayernkönig. Besonders zu erwähnen ist die begabte Susanne Brantl als königliche Wäschebeschließerin, Werner Perret als Hofmaler Stieler und schließlich Martin Fösel als schillernder Bébé - was wäre Volkstheater ohne einen Schwulen?
Süddeutsche Zeitung
8.12.03
Das Bett im Hinterkopf
Die Geschichte der Lola Montez als Musical
Garching - Wer Ludwig II. auf der Musicalbühne bewundern will, muss nicht mehr Richtung Füssen fahren. Am Freitag war der spätere Märchenkönig im Bürgerhaus Garching nämlich als Kronprinz Louis auch in „Lola Montez“ zu sehen. Als diese femme fatale mit kaltem Blut und heißen Tänzen den ersten Ludwig von Bayern um Verstand und Königreich brachte, war Kronprinz Louis drei Jahre alt. Alt genug, um allmorgendlich samt kleinem Holzschwan auf Rädern in Großvater-Königs Gemach zu watscheln und in dessen Bett zu kriechen, bis er dort eines Tages entsetzt die kesse Lola vorfindet. Lola Montez ist ein hinreißender Stoff, um derb-fröhliches Volk, intrigante Hofschranzen und passionierte Herrscher mit eingängigen Melodien zu versehen.
Die Idee dazu hatte der Komponist Peter Kreuder vor 40 Jahren, eine Urfassung entwickelte er mit dem Autor Maurus Pacher Anfang der siebziger Jahre, aber erst durch das neue Arrangement von Timm Tzschaschel kam das Stück in diesem Jahr durch das Freie Landestheater Bayern zur Uraufführung. Das alte dramaturgische Gerüst blieb zwar nahezu unangetastet, konnte aber in Georg Blümls Inszenierung um jede Menge neuer Pointen bereichert werden.
Elisabeth Neuhäusler spielt Lola Montez mal als rassige Kurtisane, mal als machthungrige Lady Macbeth, die hohnlachend vom Schachspiel des Lebens singt und jeden Bauern darin ermutigt, dem König Schach zu bieten. Eine Revolutionärin? Dafür ist die zur Gräfin Landsfeld ernannte Dame wohl stets zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Zwei Jahre weilt sie in München, bis sie 1848 mitsamt dem entflammten und danach gehörnten König zum Teufel gejagt wird. Das Volk singt dazu, bevor der Vorhang fällt, wieder das Anfangsmotiv vom Fressen und Saufen. Herzen brechen und Menschen vergehen – Hunger und Durst bleibt ollawei.
In Simone Speers elegantem Bühnenbild blickt der Kopf der Bavaria wachend über alles, nur für das Schlafgemach des Königs wird die Schutzpatronin wohlweislich herumgedreht, um in ihrem Hinterkopf wiederum gleich Ludwigs Lustbett bereitzustellen. Doppelmoral allerorten – die gemalten Kulissen tun ein übriges, um der Politposse und ihren furiosen Darstellern zuweilen den Anstrich eines grotesken Kasperltheaters zu geben. Das besonders im ersten Teil richtig Spaß macht. Bernhard Butz als Polizeipräsident Pechmann schnüffelt sich herrlich pikiert durch den Palast, Alfred Hörmayer trällert als König Ludwig wehmütig von der verlorenen Jugend, und als Kronprinzknabe Ludwig Zwo in Gestalt von Theaterjüngling Christophe Vetter mit dem feschen Leutnant Nussbaumer (Johannes Weiss) die erste zarte Berührung mit dem eigenen Geschlecht erlebt, klingt als sanfte Vorahnung Wagners Lohengrin-Motiv aus dem Orchestergraben.
Mal ein rotzfrecher, mal auch ein sentimentaler Abend also, der jedoch keine Sehnsüchte nach dem Paradies bemühen muss, sondern der bayrischen Geschichte mit erdigem Charme und musikalischer Leichtigkeit einen weitaus klügeren und ehrlicheren Dienst erweist. Lang anhaltender Beifall.
NIKOLAUS FREI
SZ vom 07.08.2003
Das Freie Landestheater und sein Wagnis am Deutschen Theater
Miesbacher Lola soll die Münchner betören
Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt zeigt zur Vorpremiere des Musicals keinerlei Aufregung
Von Thomas Miesbach
Landkreis - „Andrea, hast du die neue Fahne?“, fragt Rudolf Maier-Kleeblatt, Intendant des Freien Landestheaters Bayern (FLTB). Drüben auf der anderen Bühnenseite lehnt das weißblaue Rautenbanner. „Wir halten nämlich die bayerische Fahne hoch“, sagt Maier-Kleeblatt. Seit zwei Tagen tut das FLTB dies in München, wo es „seine “ Lola Montez. spielt. Heute ist die entscheidende Gala-Premiere.
Die bayerische Fahne trägt das FLTB, von seinem Sitz in Miesbach aus, schon seit über 20 Jahren über die Bretter des Musiktheaters in die Lande. Wo aber wäre das nötiger als in München, wo der Niedergang des Bayerischen am ärgsten ist? Das Stück, mit dem das Landestheater die Stadt erobern will, könnte münchnerischer nicht sein: Ludwig I., sein Enkel, der Märchenkönig, und die schillernde Lola Montez, die Skandalnudel einer Zeit, in der moralische Empörung das revolutionäre Fass zum Überlaufen bringen konnte, das durch die Erhöhung des Bierpreises bereits bis zum Rand gefüllt war.
Das Deutsche Theater, wo die großen Tournee-Musicals Station machen, ist für das FLTB ein guter Ort, sich Lorbeeren zu verdienen. Und es ist die logische Wahl: Hier wurde seinerzeit mit gerade 16 Lenzen ein Wunderkind zum musikalischen Leiter bestellt, das später, als Weltstar der Unterhaltungsmusik, genau das „Lola Montez“-Musical komponieren sollte, das nun hier gegeben wird: Peter Kreuder. Seine Witwe Ingrid Kreuder ist aus den USA nach München gekommen, Maurus Pacher, der Librettist, aus Holland. Viel Presse hat sich angesagt, auch von jenseits des Mains, so macht ein Kritiker aus Hannover auf dem Weg zu den Salzburger Festspielen Station, um die Lola-Uraufführung heute Abend zu sehen.
Genauer gesagt handelt es sich dabei um die „Gala-Premiere“, denn es gab schon 14 Voraufführungen, zuerst in der theater- und medientechnischen Provinz, dann in München erneut zwei „Previews“. „Aber wir hatten keine Vorstellung, in der wir nichts geändert hätten gegenüber dem vorigen Mal“, so Maier-Kleeblatt. Insofern sei bislang jede Vorstellung eine Uraufführung gewesen. Kreuder hatte das Werk unfertig hinterlassen, das Landestheater-Team hat es mit Pacher vollendet und zur Aufführung eingerichtet
Eine Stunde vor Beginn der ersten Preview, des allerersten Auftritts in München. Auf der Bühne ist alles am Platz, wie die Fahne. Auf den Requisitentischen hinter dem riesigen aufgestellten Bilderbuch, das die Szenen des Bühnenbilds enthält, liegen Dolch und Peitsche, mit denen sich Lola als Femme fatale profilieren wird. Die Bierkrüge der Corps-Studenten stehen da, zwei Nachttöpfe, ein Thron, die Laterne des Münchner Kindls, das dem ganzen Spuk um die Lola am Ende treuherzig das Licht ausblasen wird. Auch das Bierfass, auf dem es zu Beginn im Faschingstrubel auf die Bühne gezogen wird, steht da, bereit, als Objekt der Begierde zur kleinen Bürgerrevolution Anlass zu geben.
Vor dem Theater stehen derweil die Besucher der gut verkauften Preview in der Gluthitze des Innenhofs, gönnen sich die letzten kühlen Getränke und fächeln sich Luft zu – wenn sie wüssten, dass drinnen das ganze Haus auf 20 Grad klimatisiert ist. Auf der kühlen, ruhigen Bühne lässt sich’s aushalten. Ob das Ensemble nicht aufgeregt sei? Maier-Kleeblatt, der gleich vor dem Orchester – mit 34 Mann in letzter Zeit eines der größten im Deutschen Theater – den Taktstock zur Ouvertüre heben wird, sagt: „Wir haben zwölf Vorstellungen hinter uns, haben ausgiebig geprobt – wenn’s jetzt nicht hinhaut, hilft Aufregung auch nichts mehr.“ Dazu klappt die Zusammenarbeit zwischen dem gastspielerprobten Team des Deutschen Theaters und den FLTB-Technikern, die alle an Münchner Häusern arbeiten, reibungslos.
Dennoch ist die Spannung da, bei allen Beteiligten: Wie verhält sich das Publikum, das sonst hier „West Side Story“ oder „Grease“ vorgesetzt bekommt? Wie wird heute bei der Gala-Premiere der hohe Stand der Kritiker reagieren, der so leichthin über Wohl und Wehe eines Ensembles wie des FLTB entscheidet? Wird das Bayerische Fernsehen die Produktion goutieren und sich doch zu einem Mitschnitt bereit finden?
„Wir hatten ein Superangebot für eine professionelle Aufzeichnung – aber woher hätten wir die 20000 Euro dafür nehmen sollen?“, fragt der mit Finanznöten vertraute FLTB–Intendant in das Bühnendunkel und führt den Gast vorbei an den Perchtenmasken, mit denen das Volk die Lola aus München vertreiben wird. Gestern war Medientermin, drei Szenen wurden zum Foto-Shooting und für die Filmberichte des Fernsehens aufgeführt. „Drei Abteilungen vom BR waren da. “ Die Hoffnung schwingt in Maier-Kleeblatts Worten mit.
Hoffnung und Spannung werden also auch heute wieder das Haus erfüllen. Bevor sich der Vorhang für 1600 Zuschauer hebt, werden die Solisten wieder über die Bühne streichen, singend und rezitierend. Wieder wird Regisseur Georg Blüml während der Vorstellung ruhelos durchs Foyer schleichen. Aber was soll schief gehen: Das Stück wurde deutlich gestrafft, Kreuders Musik zündet, ein kräftiger Schuss Erotik kommt dazu. Und dann sind da jene Phrasen, die dem Münchner in der Seele klingen: „Es lebe hoch die Revolution – und das Bier!“ Darüber flattert die bayerische Fahne, die das Landestheater unermüdlich hochhält.
SZ vom 05.08.2003
Die fatale Anmut der Andalusierin
Im Deutschen Theater wird heute Peter Kreuders Musical „Lola Montez“ uraufgeführt
Hier dichtet der König: „ Heitern Sinnes, froh und helle / Lebend in der Anmuth hin, / Schlank und zart wie die Gazelle / Ist die Andalusierin.“ So besang Ludwig I. von Bayern einst seine Lola Montez. Und da einem wahrhaft Liebenden nichts zu peinlich ist, ließ er seine Poeme auch noch beim Goethe-Verleger Cotta höchstselbst herausbringen und ähnlich gestalten wie die Schiller-Ausgabe. „Ich bin König, aber ich bin auch Dichter“, teilte der Held der Lyrik 1847 stolz seinem Volke mit. Zu diesem Zeitpunkt konnte das Volk ihm leider schlecht widersprechen
Ein Jahr später sieht das schon etwas anders aus. Studentenunruhen, „Märzforderungen“ nach demokratischen Rechten, und dann auch noch diese skandalumwitterte Mätresse – Ludwig I. ist irgendwann all des Ärgers leid und dankt ab. Seine Lola ist da längst über alle Berge in die Schweiz entschwunden, und der über 60-jährige Ex-Monarch ist allein mit sich und seinen lyrischen Empfindungen. Noch Monate später schreibt er der Geliebten hinterher: „Der Mond über dem See war gestern sehr schön. Ich habe an Dich gedacht. Ich habe mich entschlossen, dass, wenn ich Dich das erste Mal sehe, ich Deine Füße in meinen Mund nehme, ohne Dir Zeit zu geben, sie nach Deiner langen Reise zu waschen.“
Doch solchen erotischen Phantasien muss sich der Fuß-Fetischist fortan alleine hingeben. Die Geschichte ist bekannt, das unglückselige Intermezzo der „Andalusierin“ in München von 1846 bis 1848 in die bayerische Historie eingegangen und der Name Lola seither das Synonym für die femme fatale schlechthin. Ihr Leben inspiriert bis heute Kulturschaffende aller Art – von Filmemacher Max Ophüls über die Schweizer Performerin Manon (die sich 1975 als „Lola Montez“ mit Lederkostüm und in Ketten in einen Eisenkäfig kauerte) bis hin zu Lydia Hartl, die Montez für „so etwas wie Münchens erste Kulturreferentin“ und damit für ihre Vorgängerin hält.
Nun also ein Musical. Eigentlich ist daran nur erstaunlich, dass es bisher keines gab. Und es gab ja sogar eines, bloß haben wollte es keiner: Evergreen-Komponist Peter Kreuder („Sag beim Abschied leise Servus“, „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“) schrieb zusammen mit dem Texter Maurus Pacher bereits in den siebziger Jahren eine „Lola Montez“. Die Zeit schien allerdings nicht reif zu sein für bajuwarische Themen. „Dem Gärtnerplatz-Theater hat er es angeboten“, weiß Kreuders Witwe Ingrid, doch als man kein Interesse zeigte, habe Kreuder die Noten unter hier nicht wiederzugebenden Flüchen in die Schublade gepackt. Da ruhten sie über die Jahrzehnte, bis der Pianist und Komponist Timm Tzschaschel anlässlich eines Kreuder-Konzertes bei der Witwe anfragte.
Zwei Jahre und etliche Umarbeitungen später – Kreuder hatte keineInstrumentierung seiner Musik hinterlassen – wird das Werk nun im Deutschen Theater uraufgeführt. Hier passt es in jeder Hinsicht gut hin: Komponist Kreuder (1905 bis 1981) war dem Haus in den zwanziger Jahren als musikalischer Leiter eng verbunden und später „Stammgast auf allen Festen“ gewesen, wie sich Theaterchef Heiko Plapperer-Lütgarth erinnert. Außerdem, so Plapperer, freue man sich, mit diesem „echten Musical bayerischer Provenienz“ auch „einheimischen Themen“ einmal ein Podium geben zu können – „ein Wagnis und eine Chance“.
Eine Chance ist es jedenfalls schon mal für das Freie Landestheater Bayern, das sich erstmals mit einer großen Produktion in München präsentieren kann. Deren Intendant und musikalischem Leiter Rudolf Maier-Kleeblatt schwebt unter dem Motto „Hochkultur auf Bairisch“ eine Art „Alt-Münchner Bilderbogen“ vor. Auf der Bühne wird man ein Buch sehen, in dem sinnbildlich in der Geschichte geblättert wird. Die Schrannenhalle wird zu erkennen sein, die Bavaria, und auch das legendäre Lola-Porträt des Hofmalers Stieler für die Nymphenburger Schönheitengalerie des Königs darf nicht fehlen. Dazu haben Maier-Kleeblatt und Tzschaschel den Kreuder-Noten in ihrer „Generalrevision“ ein paar bayerische Instrumente wie Tuba, Harfe und Akkordeon untergejubelt und lassen Teile des Textes in Dialekt sprechen. Regie führt Georg Blüml, der unter anderem mit „Münchens Kleinstem Opernhaus in der Pasinger Fabrik“ auf sich aufmerksam gemacht hat.
Diesmal wird das Ergebnis mit großem Orchester und Chor opulenter ausfallen. Die Handlung orientiert sich eng an den historischen Ereignissen. Die gebürtige Irin Eliza Gilbert reiste als falsche Spanierin durch Europa, von einem Skandal zur nächsten Affäre. Durch herausragende Tanzkünste fiel die fesche Lola dabei nicht unbedingt auf: „Känguruh-artige Sprünge“ sind von ihrem ersten Auftritt in München überliefert. Doch der König war hingerissen, machte die „Andalusierin“ zur Geliebten und alsbald zur Gräfin, ließ ihren süßen Fuß in Marmor nachbilden – wobei der so verkrüppelt war, dass der Bildhauer heimlich die Venus von Milo zum Vorbild nahm – und ging „im stürmischen Getriebe“ seiner „Gefühle Fluth“ unter.
„Eine Frau – Ein Verhängnis“, kommentiert das Deutsche Theater auf den Werbeplakaten. Doch was auch immer man Lola Montez an negativen Eigenschaften nachsagt: Sie führte ein für ihre Zeit außergewöhnlich emanzipiertes Leben und setzte die liebestollen Männer geschickt für ihre Zwecke ein. Die erste Frau, die sich mit Zigarette fotografieren ließ – laut Klenze rauchte sie „den ganzen Tag wie ein Bootsknecht Tabak“ –, formulierte in ihren Memoiren: „Ich bin besser als ein Satan, wie mich so oft die Frauen, und schlechter als ein Engel, wie mich so oft die Männer nannten.“ Lola Montez nahm sich einfach, was sie wollte: „Ich glaube, die Welt ist eben so gut für mich da, wie ich für die Welt.“ Vor allen Dingen aber wollte die Tänzerin „leben, ehe ich sterbe, nicht nachdem ich gestorben bin“. Es sieht so aus, als sei ihr das eine wie das andere gelungen.
(Von heute an, 20 Uhr. Gala-Premiere am Donnerstag, 7. August. Zeitgleich erscheint bei dtv Peter Kreuders erweiterte Autobiografie „Nur Puppen haben keine Tränen“.)
SZ vom 25.07.2003
Stadtbegehung
Auf den Spuren von Lola Montez
Die aufregendste Tänzerin des 19. Jahrhunderts verdrehte vor über 150 Jahren König Ludwig I. den Kopf. Dabei lebte sie zwei Jahre in München. Ein historischer Spaziergang erinnerte an die Stätten ihres schaurig-schönen Wirkens.
Nur zwei Jahre lang lebte Lola Montez im 19. Jahrhundert in München. Ludwig I. König von Bayern verfiel ihr, was in der Stadt für erhebliche Unruhe sorgte.
Lola Montez kommt 1821 als Elizabeth Rosanna Gilbert in einem irischen Dorf zur Welt. Als Kind lebt die Tochter des englischen Offiziers Edward Gilbert in Großbritannien, Indien und Schottland. Sie heiratet, lässt sich scheiden und nimmt Tanzunterricht in Spanien.
Für ihre Tournee leiht sie sich kurzerhand den Nachnamen des damals berühmtesten Stierkämpfer Francisco Montes und tingelt als die spanische Tänzerin Lola Montez durch Europa. Überall, wo sie Station macht, provoziert sie Skandale. In Paris stirbt einer ihrer Liebhaber in einem Duell, in Bonn verwüstet sie ein Hotelzimmer, in das sie der Komponist Franz Liszt eingesperrt hatte, als er nach einer Affäre genug von ihr hat.
Erste Station: das Hoftheater
Lola landet in München. Nachdem das Hoftheater sie ablehnt, bedrängt sie Ludwig I., sie auf die Bühne zu lassen. Von diesem ersten Zusammentreffen ist folgende Anekdote bekannt: Ob ihre Rundungen alle echt seien, möchte der Monarch von der schönen 23-Jährigen wissen. Daraufhin schneidet sich Lola mit einem Dolch die Bluse auf und präsentiert ihre Brüste. Ludwig ist Feuer und Flamme für sie und die Affäre nimmt ihren Lauf.
Über den Auftritt am Hoftheater, den Lola auf Ludwigs Befehl bekommt, schreibt eine Theaterbesucherin: „Sie blitzte mit ihren wunderbaren Augen und verbeugte sich wie eine Grazie vor dem König, der in seiner Loge saß. Solange sie tanzte, fesselte sie alle Zuschauer, die Blicke hafteten an ihren geschmeidigen Körperwendungen, an ihrer Mimik, die oft von glühendster Leidenschaft in die anmutigste Schalkhaftigkeit überging.
In München ist schnell bekannt, dass Lola Montez keine Spanierin ist. Nur ihr glühender Verehrer hält unbeirrt an einem Wunschbild fest, und nennt die Angebetete in seinen Briefen „Muy querida Lolitta. Lolas Antworten sind eher kühl und als der König sie zur Gräfin von Landsfeld ernennt, beschwert sich, dass er ihren neuen Adelstitel nicht in den Amtblättern veröffentlich wird: „Du hast mich gedemütigt wie kein anderer.
Die Münchner Bevölkerung ist von den Liebeleien des Königs nicht begeistert, zumal der seiner Muse wertvolle Geschenke mit Geld aus der Staatskasse macht. So bekommt Lola von ihm ein Stadtpalais in der Barer Straße im Wert 16.000 Gulden. Nach vier Monaten verleiht Ludwig ihr die Bayerische Staatsbürgerschaft, nachdem der Staatsrat ihre Anträge zwei Mal abgelehnt hatte.
Im Zentrum der Macht: die Residenz
Ihre politischen Intrigen spinnt Lola in der Residenz, wo sie sich oft aufhält. Auf ihr Einwirken hin versetzt Ludwig den Münchner Polizeidirekor und enlässt zwei Kabinette hintereinander - sie hatten sich gegen Lolas Einbürgerung ausgesprochen.
1848 hat sich der Hass gegen Lola Montez in der Stadt so gesteigert, dass es zu einer Messerstecherei zwischen Studenten kommt. Die Lola-Unterstützer verstecken sich in "Rottmann's Kneipe" gegenüber der heutigen Ludwig-Statue. Mit Pistole und Dolch bewaffnet kommt Montez aus der Barer Straße, wird von der aufgebrachten Menge abgedrängt und sucht in der Theatinerkirche Schutz.
Auf Wunsch Ludwigs flieht Lola noch am gleichen Tag nach Großhesselohe, danach in die Schweiz und wandert schließlich nach Amerika aus.
Seitdem ward sie in München nicht mehr gesehen bis zum 5. August 2003. An diesem Tag wird sie nach München zurückkehren und ihre Geschichte noch einmal auf der Bühne des Deutschen Theaters erzählen.
Bei einem Spaziergang entlang der Ludwigstraße von der Staatsoper bis zur Universität konnte man sowohl die historischen Orte und die Lola-Darstellerin des Musicals, Christin Mollnar, im Kostüm erleben. Der geschichtskundige Pressesprecher des Deutschen Theaters, Carsten Gerhard, erläuterte die Stationen ihres kurzen Wirkens und die Umstände ihrer Flucht. Ein aufregendes Panoptikum, das die heute verkehrsumtoste Straße wieder mit einem Flair von Staatsaffäre umgibt - wenn auch mit dem von Ur-Ur-Urgroßmuttern.
TZ
9./10.8 2003
Golden Girls, heiße Hits und ein hot Dog
Premiere von Lola Montez im Deutschen Theater - Und Daisy sucht Kühlung im Rolli
Während der Hitze kühlt sich Daisy gerade noch im klimatisierten Rolls-Royce. "Erst nach der Pause werde ich sie ins Theater holen". Selbst zur Premiere zu Lola Montez im Deutschen Theater kam Rudolph Moshammer in Begleitung seiner Hundedame. "Schließlich teilt sie ja mit mir die Begeisterung für Ludwig I."
Nicht nur Königstreue, sondern auch Liebhaber von Ohrwürmern lockte die Premiere am Donnerstagabend: "Bei der Musik von Peter Kreuder bekomme ich immer Lust, das Tanzbein zu schwingen", lacht Schauspielerin Carola Höhn. "Nur findet man ja oft keine Männer, die mittanzen wollen", ergänzt Inge Rodenstock. Lola Montez scheint da weniger Probleme gehabt zu haben.
Der Tänzerin lagen nicht nur Franz Liszt und Hans von Bülow zu Füßen, sondern eben auch Ludwig I.. Als er die Tänzerin in den Adelsstand erhob, geriet er bei der Bevölkerung derart in Ungnade, dass er am 20. März 1848 zugunsten seines Sohnes Maximilian abdanken musste. "Da sieht man mal, dass es Affären mit Staatsoberhäuptern schon immer gab. Nur haben sie früher hinter dickeren Gardinen stattgefunden" amüsiert sich Ivonne Prinzessin von Hessen.
Lola Montez - sie war für damalige Zeiten ein sehr wilde Frau: "Doch die Frauen heute sind mindestens genauso schön und meist noch wilder", schmeichelt Moshammer.
Und bekommt Zustimmung von Schauspieler Herbert Bötticher: "Ich freue mich immer, wenn ich hübsche Damen sehe. Und davon gibt's heute ja einige". Wie etwa seine Frau Doris Gallert, die nicht von seiner Seite wich.
Oder Dunja Siegel, die gerne mit ihrer Weiblichkeit spielt: "Frauen sollten ruhig Mut haben, ihre Weiblichkeit zur Schau zu stellen. Damit können sie viel erreichen, haben ganz indirekt Einfluss auf ihre Männer." (...)
9./10.8.2003
Schach dem König
Deutsches Theater: "Lola Montez" von Peter Kreuder und Maurus Pacher
Das ist ja gar kein Musical. Das Publikum erlebt etwas viel Besseres: eine gemütliche Operette nach Wiener Vorbild, aber ins Bayerische gewendet. Das respektable Freie Landestheater Bayern mit Sitz in Miesbach gastiert zu Recht damit im Deutschen Theater.
Das Stück lag 30 Jahre zum Kummer der Autoren Peter Kreuder (Musik) und Maurus Pacher (Libretto) in der Schublade. Zu seinem Glück möchte man heute sagen. Denn damals wäre es nichts anderes als überholt gewesen, ein bisschen altbacken. Zu nah waren damals noch die gerade vom forschen Musical überholten Vorbilder. Heute überlässt man sich dagegen gern genau diesem Charme. Note für Note, von Puccini über die "silberne" Operette bis zu Orffs "Carmina" und schließlich doch einer Prise West Side Story hört man die Vorbilder heraus.
Statt aber dem Peter Kreuder Eklektizismus vorzuwerfen, bewundert man nun an diesem grundsoliden Musiker und Bühnenkomponisten das Geschick, mit dem er all diese Versatzstücke virtuos benutzt und neu zusammensetzt (was bei dem engagierten, wachen Dirigat von Rudolf Maier-Kleeblatt auch tadellos herauskommt). Da auch der Text von Maurus Pacher die nötige Mischung von Witz und Wehmut hat (das braucht die Operette), hört und sieht man auf zwei Ebenen zu: Man steckt im Stück (nun ja, es könnte ein wenig zügiger vorangehen) und beobachtet voller Respekt die sicher gehandhabte Machart, das "Gewusst wie".
Eine schillernde Frauensperson ist immer ein dankbares Sujet - das haben Verdi und Puccini nachhaltig vorgemacht. Lola Montez, die einen bayerischen König bezirzte, kommt hier als liebeslustige, karrieregeile, aber eben auch emanzipierte Frau heraus ("Biete dem König Schach", fordert ihr Haupt-Song). Elisabeth Neuhäusler mit schöner dunkler Stimmer geht mühelos als Verwirrung auslösende Lola durch. Der Regisseur Georg Blüml ruft in den unaufwendig-praktikablen Bildern von Simone Speer die alten Theatergriffe ab. Alfred Hörmayer als König Ludwig I. ist ein Ersatz-Schönböck, Bernhard Butz knarzt als Polizeipräsident einen Theo Lingen hin; Marko Kathol gibt einen schneidigen Adjutanten, Werner Perret den eitlen Hofmaler Stieler, Martin M. Fösel eine Tunten-Charge. Mit Abstand am besten und beinahe, als wäre sie aus unserem gerade statthabenden Jahrtausend: Susanne Brantl (...)
Weitere
dpa, 08.08.2003
Rückkehr der rassigen Mätresse:
Musical «Lola Montez» umjubelt
München (dpa) - Sie war nur eineinhalb Jahre in Bayern und hat mit ihren erotischen Tänzen das ganze Königreich durcheinander gewirbelt: Lola Montez, die rassige Mätresse von Ludwig I., kehrt jetzt nach über 150 Jahren nach München zurück. Im Deutschen Theater feierte das Musical «Lola Montez» mit der Musik des weltbekannten Komponisten Peter Kreuder am Donnerstagabend eine bejubelte Uraufführung.
Die heiße Staatsaffäre um Macht, Sex und Geld bietet so viel Stoff für die Bühne, dass die Dramaturgen kaum nachhelfen mussten. Die besten Geschichten schreibt das Leben eben selbst. Das Publikum belohnte die Inszenierung mit «Bravo»-Rufen und minutenlangem Applaus. So wäre auch die echte Lola im München des 19. Jahrhunderts gerne gefeiert worden.
Mit roten Haaren, schwarz-violettem Kleid und in Strapsen platzt die Montez (Elisabeth Neuhäusler) mitten in die Zeit vor der März-Revolution 1848. Mit ihren weiblichen Reizen erobert die damals 25-Jährige den fast 40 Jahre älteren Bayernkönig Ludwig I. (Alfred Hörmayer) und nimmt auch politisch Einfluss: «Die Welt ist wie ein Schachbrett. Bist du auch nur ein Bauer, biete dem König Schach!» Am Ende stürzt der König nicht nur über die Revolution, sondern auch über die Affäre «Lola». Die verschwenderische Mätresse wird vom Volk aus dem Land gejagt.
Das Stück über die Geliebte des Königs (Buch: Maurus Pacher) lebt von zahlreichen Affären: Lola will Ludwig erobern, bandelt aber gleichzeitig mit dem jungen Adjutanten Nußbaumer (Marko Kathol) an und vergnügt sich mit der studentischen Burschenschaft. Viel Szenenapplaus erhält Lolas schwuler Begleiter Bébé (Martin M. Fösel), der - stets eifersüchtig auf den Erfolg der Montez bei den Männern - leichtfüßig über die Bühne tänzelt.
Das Ensemble des Freien Landestheaters Bayern setzt mit dem Bühnenbild und vielen bayrischen Charakterfiguren, die sich über die Montez das Maul zerreißen, auf Münchner Lokalkolorit. Die Orchestermusik erstreckt sich von Swing, Tango, über Revue-Lieder hin zu bayerischer Folklore.
Erstaunlich, dass die Klaviervorlage von Peter Kreuder 30 Jahre lang in einer Schublade schlummerte. Der Plan, das Musical erstmals auf die Bühne zu bringen, entstand zwar «rein zufällig», sagte die Witwe des Komponisten, Ingrid Kreuder, der dpa: «Seitdem habe ich aber umso mehr dafür gekämpft, dass das Stück im Deutschen Theater aufgeführt wird.» Schließlich habe ihr 1981 gestorbener Gatte in den 20er Jahren hier seine Karriere gestartet - als Barpianist. Später, nach dem Krieg, kehrte der mittlerweile weltbekannte Komponist für Gastspiele mit Zarah Leander und Josephine Baker nach München zurück.
Ingrid Kreuder genoss die Wiedergeburt der Musik ihres Mannes im Deutschen Theater. Sie hatte nicht mehr daran geglaubt, gestand die Witwe, dass das Musical noch einmal aufgeführt wird: «Ich dachte, die Lola ist mit meinem Peter gestorben.»
dpa, 09.08.2003
München: Premiere des Musicals ,Lola Montez’
Ludwigs Luder
Heiße Staatsaffäre mit bayrischem Flair präsentiert
Von Michael Haselrieder, dpaSie war nur eineinhalb Jahre in Bayern und hat mit ihren erotischen Tänzen das ganze Königreich durcheinander gewirbelt: Lola Montez, die Mätresse von Ludwig I., kehrt jetzt nach über 150 Jahren nach München zurück. Im Deutschen Theater feierte das Musical „Lola Montez“ mit der Musik des Komponisten Peter Kreuder eine umjubelte Uraufführung. Die heiße Staatsaffäre um Macht, Sex und Geld bietet so viel Stoff, dass die Dramaturgen kaum nachhelfen mussten.Mit feuerroten Haaren, schwarz-violettem Kleid und in Strapsen platzt die Montez (Elisabeth Neuhäusler) mitten in die Zeit vor der März-Revolution 1848. Mit ihren weiblichen Reizen erobert die damals 25-Jährige den fast 40 Jahre älteren Bayernkönig Ludwig I. (Alfred Hörmayer) und nimmt auch politisch Einfluss: „Die Welt ist wie ein Schachbrett. Bist du auch nur ein Bauer, biete dem König Schach!“ Am Ende stürzt der König nicht nur über die Revolution, sondern auch über die Affäre „Lola“. Die verschwenderische Mätresse wird vom Volk aus dem Land gejagt.Das Stück über die Geliebte des Königs (Buch: Maurus Pacher) lebt von zahlreichen Affären: Lola will Ludwig erobern, bandelt aber gleichzeitig mit dem jungen Adjutanten Nußbaumer (Marko Kathol) an und vergnügt sich mit der studentischen Burschenschaft. Viel Szenenapplaus er-hält Lolas schwuler Begleiter Bébé (Martin M. Fösel), der – stets eifersüchtig auf den Erfolg der Montez bei den Männern — leichtfüßig über die Bühne tänzelt.Das Ensemble des Freien Landestheaters Bayern setzt mit dem Bühnenbild und vielen bayrischen Charakterfiguren, die sich mit Hingabe über die Montez das Maul zerreißen, auf Münchner Lokalkolorit. Die Orchestermusik erstreckt sich von Swing, Tango, über Revue-Lieder hin zu bayerischer Folklore.Erstaunlichlicher Weise schlummerte die Klaviervorlage von Peter Kreuder 30 Jahre lang in einer Schublade. Der Plan, das Musical erstmals auf die Bühne zu bringen, entstand zwar „rein zufällig“, sagte die Witwe des Komponisten, Ingrid Kreuder: „Seitdem habe ich aber umso mehr dafür gekämpft, dass das Stück im Deutschen Theater aufgeführt wird.“ Schließlich habe ihr 1981 gestorbener Gatte in den 20er Jahren hier seine Karriere gestartet – als Barpianist. Später, nach dem Krieg, kehrte der Komponist für Gastspiele mit Zarah Leander und Josephine Baker nach München zurück. Michael Haselreider (dpa)Bis zum 24. August im Deutschen Theater in München. Karten können per Telefon unter 089/ 55 23 44 44 oder im Internet unter www.deutsches- theater.de bestellt werden.
Von Josephine Baker bis Lola Montez
Zur Musical-Premiere im Deutschen Theater: Peter Kreuders Memoiren
Wo hat er nicht überall gelebt, was hat er nicht alles erlebt, der Peter Kreuder (1905-1981), Komponist und Pianist, Bandleader und Dirigent, Weltenbummler und Weltbürger. Da lässt sich viel erzählen. Zehn Jahre vor seinem Tod sind diese Memoiren zuerst erschienen, jetzt liegen sie wieder vor, ergänzt um ein Nachwort seiner vierten Ehefrau, der jetzt am Michigansee lebenden Ingrid. Immer noch ist das Buch amüsant, informativ und - ärgerlich: wenn er sich stilistisch (und inhaltlich) gar zu sehr gehen lässt, sein salopper Stil in die Formulierungen des Groschenromans umschlägt. Und unverblümt Unwahrscheinliches als Faktum erscheinen lässt, so ganz ohne Augenzwinkern.
Kreuder, wie er uns heute noch bewusst ist, war der Komponist, der hoch begabte Melodienerfinder der kleinen Form. Und der vielseitige Filmkomponist. Bestens bekannt noch immer: "Good bye, Johnny" mit Hans Albers, "Für eine Nacht voller Seligkeit" mit Marika Rökk, "Wenn die Sonne über den Dächern versinkt" mit Pola Negri, "Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen" mit Johannes Heesters.
So richtig lesenswert wird die Autobiografie erst ab Seite 84, als Kreuder nach Berlin ging: mit 16 an die "Wilde Bühne" der Trude Hesterberg. Da überschlagen sich die Namen derer, die er am Flügel zu begleiten hatte, und das setzt sich sein Leben lang fort, wie es das Metier eben mit sich bringt: Claire Waldoff und Wilhelm Bendow, Hans Moser und Josephine Baker. Greta Keller hat er "entdeckt", ebenso Rosita Serrano und Peter Igelhoff. Marlene Dietrich, mit der er eine "Affäre" hatte, will er als Lola für den "Blauen Engel" empfohlen haben. Er spielte mit den Weintraub Syncopators und im Tölzer Kurorchester und leitete in Brasilien und Argentinien in seinen acht südamerikanischen Jahren Symphonieorchester. Freilich nicht vom Klavier aus, seinem eigentlichen Instrument.
Merkwürdig, dass er mit keinem Wort seinen ureigensten Klavierstil erwähnt: Melodie in Zwei-Oktaven-Abstand unisono, jede Phrase durch einen Vorschlag angeschliffen. Stundenweise hatte er in Berlin bei Feruccio Busoni Unterricht genommen, war aber schon als Wunderkind öffentlich aufgetreten. An der Münchner Akademie holte er sich Kenntnisse bei Waltershausen, Hausegger und Röhr. Das war zu einer Zeit, als ihn Hans Gruß nach München geholt hatte, der Chef der "Bonbonniè`re" und des Deutschen Theaters, dessen sächsisch-bayerische Aussprache Kreuder gefiel. Seine zweite Münchner Zeit, als Musikdirektor am Gärtnerplatz (der "Staatsoperette"), begann er mit der "Tänzerin Fanny Elßler", von Oskar Stalla aus Johann-Strauß-Werken zusammengetragen, fortgesetzt mit der (berüchtigten) Fritz-Fischer-Fassung von Lehá´rs "Lustiger Witwe". Kreuder belässt seine Rolle zu dieser Zeit ein wenig unterbelichtet. Viel früher hatte er schon bei der skandalbegleiteten Aufführung von Kreneks "Jonny spielt auf" assistiert, getragen von seiner Vorliebe für den Jazz. Er schreibt für Falckenberg eine Musik zu Shakespeares "Wintermärchen", spielt in der "Regina"-Bar und heiratet (zum zweiten Mal) in Neuhaus am Schliersee.
Weitere Akzente verschiedenster Art: Begegnungen mit Adolf Hitler, mit Reinhardt und Gründgens, mit Willi Forst ("Mazurka"; "Burgtheater", darin "Sag beim Abschied leise Servus") und Karl Valentin. In Zürich spielt er an drei Flügeln mit Teddy Stauffer und Duke Ellington, in Zürich wird er von Evita Peró´n geküsst; die Freundschaft bleibt bestehen.
Sein größter Bühnenerfolg: "Madame Scandaleuse" mit Zarah Leander, die er nicht mochte. "Lola Montez", die morgen in Münchens Deutschem Theater uraufgeführt wird, entstand in den Siebzigerjahren und blieb als Manuskript liegen. Buch und Texte: Maurus Pacher, damals in München lebend und wirkend als Journalist und Autor. Dieses Sujet und Kreuder: Das ist eine neuerliche, postume Verbindung mit München, wo der Komponist am Ostfriedhof begraben liegt und wo in Obermenzing eine Straße nach ihm benannt wurde.
Peter Kreuder: "Nur Puppen haben keine Tränen", Erinnerungen. dtv, München, 426 Seiten, 12 Euro.
KARL-ROBERT BRACHTEL
Datum: 05.08.2003 19:05 | aktualisiert: 07.08.2003 08:08
Die feurige "bayerische Evita"
Die Geliebte Ludwigs I. im Musical
Bad Tölz-Wolfratshausen - Eine einzelne schöne Frau brachte das beschauliche Münchner Leben in der Biedermeierzeit gehörig durcheinander: Lola Montez. Die energische Lola rauchte, trug immer einen Dolch bei sich und geizte im Umgang mit Männern weder mit Ohrfeigen, noch mit ihren weiblichen Reizen. Berühmt-berüchtigt ist sie aber wegen ihrer Liaison mit König Ludwig I. von Bayern.
Das Verhältnis zwischen dem Monarchen und der irischen Hochstaplerin gilt als die spektakulärste Affäre des 19. Jahrhunderts. Schließlich war Lola Montez der katalytische Auslöser einer Revolution, die 1848 bürgerliche Reformvorstellungen in verfassungsmäßiges Recht umwandelte.
Mit der Welturaufführung von "Lola Montez" kommt die Geschichte der "bayerischen Evita" als Musical ans Deutsche Theater in München. Eine Geschichte um Sex, Macht und Intrigen, die mit viel Humor in Szene gesetzt wird. Für die musikalische Umsetzung wurde ein spektakulärer Fund genutzt: Der Nachlass des Komponisten Peter Kreuder ("Sag zum Abschied leise Servus").
wö
Datum: 29.07.2003
Künstlerin und königliche Mätresse
Deutsches Theater zeigt das Musical "Lola Montez"
"So müssen die Feen in den Märchen gewesen sein", schrieb einst die Schriftstellerin Luise von Kobell über die Ausstrahlung und Schönheit von Lola Montez. Die Tochter eines englischen Offiziers und einer vom irischen Landadel abstammenden Tänzerin gab sich als Spanierin aus - überzeugend. Nicht nur Luise von Kobell fand sie faszinierend, besonders die Männerwelt lag der Lebefrau zu Füßen.
Ludwig I.: "Fiebrig heiß wallte mein Blut"
Als die damals 26-Jährige am 5. Oktober 1846 in München eintraf, hatte sie zwar keine Papiere, aber bereits zwei Tage später eine Privataudienz bei Ludwig I. Angeblich soll der König gleich beim ersten Zusammentreffen gefragt haben, ob denn, das, was das Mieder verhülle, auch echt sei. Worauf diese - temperamentvoll wie sie war - kurzerhand ihr Mieder aufschlitzte.
Der damals 60-Jährige war Feuer und Flamme. In einem Brief an einen Freund schrieb der Monarch: "Ich kann mich mit dem Vesuv vergleichen, der für erloschen galt, bis er plötzlich wieder ausbrach. Wie ein Jüngling von zwanzig fasste mich die Leidenschaft wie nie zuvor. Esslust und Schlaf verlor ich zum Teil, fiebrig heiß wallte mein Blut."
150 Jahre später zeigt das Deutsche Theater München das Musical Lola Montez. In bewegenden Bildern erzählt das Stück aus dem Leben der umstrittenen Femme fatale.
In ihrer skandalträchtigen Liaison mit Ludwig I. gibt sich die Titelheldin als exzentrische Künstlerin, fordernde Liebhaberin und großzügige Verschwenderin. Das führt zu dramatischen Liebes- und Revolutionswirren, die das bisher beschauliche Münchner Leben beträchtlich durcheinander bringen.
Lola Montez - ein Musical mit Münchner Charme ist ab 5. August im Deutschen Theater zu sehen. Karten unter Telefon 0 89/ 55 23 44 44.
VON STEPHANIE HOLZMEIER
Datum: 28.07.2003













