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Wer kennt sie nicht, die Geschichte der Zigeunerin Carmen, die den braven Soldaten Don José um den Finger wickelt und um seinen Verstand bringt?

Don José dient pflichtbewusst als Sergeant in Sevilla. Eigentlich stammt er aus der nordspanischen Provinz, hatte aber nach einer Handgreiflichkeit seine Heimat verlassen müssen. Im Gegensatz zu seinen jetzigen Kameraden interessieren ihn die andalusischen Frauen nicht. Er ist drauf und dran, sich dem Wunsch seiner alten Mutter zu fügen und Micaëla zu heiraten, die als Waise mit ihm zusammen aufgewachsen war.
Diesem braven Soldaten begegnet die verführerische Carmen - und er verfällt ihrem Zauber. Carmen arbeitet wie viele andere Zigeunerinnen in der Zigarettenfabrik gleich neben der Militärstation. Sie singt ein Loblied auf ihre Freiheit und genießt es, umschwärmt zu werden. Angestachelt durch seine offen zur Schau gestellte Gleichgültigkeit wirft sie José eine Blume entgegen und es beginnt ein fatales Drama der Leidenschaft. Als Carmen in einen Streit unter den Arbeiterinnen verwickelt wird, soll José sie festsetzen. Carmen macht sich über das Verhör durch den Leutnant Morales lustig und verspricht José eine gemeinsame Liebesnacht, wenn er sie gehen ließe. Als José Carmen die Flucht ermöglicht, wird er degradiert und erhält eine Haftstrafe.

Bei einem ausgelassenen Fest in der Schenke des Lillas Pastia amüsieren sich die Lebemänner Sevillas mit Zigeunermädchen bei Wein und Tanz. Zu den Gästen gehört auch Morales, der Offizier aus Josés Regiment. Auch er hat ein Auge auf Carmen geworfen. Ebenso der Stierkämpfer Escamillo, der zufällig vorbei kommt und sich von der Gesellschaft feiern lässt. Aber Carmen weist sie alle ab. Sie hat erfahren, dass José aus der Haft entlassen werden soll und erwartet ihn bei Lillas Pastia. Dessen Absteige dient auch Schmugglern als heimlicher Treffpunkt. Sie brauchen die attraktiven Zigeunermädchen, um auf ihren nächtlichen Touren die Zöllner abzulenken. Auch ihnen verweigert Carmen diesmal ihre Mithilfe.
Kaum frei gekommen, sucht José sie auf und Carmen ist bereit, „ihre Schulden zu begleichen“. Doch ihre Zweisamkeit wird bald von dem Signal gestört, das ihn zurück in die Kaserne ruft. Hin und her gerissen zwischen Pflicht und Verlangen, gerät er schließlich in eine Situation, die ihn zwingt, sein bisheriges Leben aufzugeben: Überraschend taucht nämlich erneut Morales auf, um Carmen wieder zu sehen. José attackiert ihn in blinder Eifersucht mit der Waffe. Herbeieilende Zigeuner arretieren Morales und José kann nicht mehr zurück: er desertiert und schließt sich den Schmugglern an.

Doch auch im Kreise der Schmuggler findet José sein Glück mit Carmen nicht: Seine Besitzansprüche und seine damit verbundene Eifersucht stehen Carmens unbedingten Freiheitsdrang  unvereinbar gegenüber. Sie hat sich von José abgewandt - ihr Sehnen gilt längst einem anderen: dem Stierkämpfer Escamillo. Die Zigeunerinnen Frasquita und Mercedes legen sich die Karten, um mehr über ihr zukünftiges Liebesglück zu erfahren. Auch Carmen befragt die Karten, doch die zeigen ihr stets nur den Tod an. Die Schmuggler entfernen sich und José soll die restlichen Waren bewachen. Escamillo taucht als unerwarteter Nebenbuhler auf, es kommt es zum Kampf. Carmen tritt dazwischen und rettet dem unterlegenen Escamillo das Leben. Doch auch Josés ehemalige Verlobte Micaëla ist auf der Suche nach ihm. Mit der Nachricht, dass seine Mutter im Sterben liege, gelingt es ihr, José zum Mitkommen zu bewegen. Doch der kündigt drohend seine Rückkehr an.

Am Tag des großen Stierkampfes begegnen sich Carmen und José wieder. Nach dem Tod seiner Mutter hat José die Hoffnung nicht aufgegeben, Carmen zurück zu gewinnen. Doch sie weist ihn ab. Während in der Arena die Besucher dem siegreichen Escamillo zujubeln, zerbricht José an seiner besinnungslosen Liebe zu Carmen und sticht sie nieder.

Georges Bizet, der selbst nie in Spanien war, schuf auf der Grundlage von Prosper Mérimées gleichnamiger Novelle von 1845 ein Werk, das wie kein zweites zum Inbegriff des Spanischen wurde. Die Seguidilla, die Habanera oder der Marsch des Toreador sorgen wie viele weitere Musikstücke für ein unverwechselbar spanisches Kolorit in dieser französischen Oper. Heute unvorstellbar, dass die Uraufführung am 3. März 1875 an der Opéra Comique in Paris ein Misserfolg war. Der freimütige Umgang mit dem Thema „Liebe“ stieß in bürgerlichen Kreisen auf breite Ablehnung. – Der gesundheitlich angeschlagene Komponist überlebte dieses Datum nur um wenige Monate und starb 37 jährig. Wie sein Werk den Siegeszug auf den Bühnen der Welt antrat, erlebte er nicht mehr.