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Jacques Offenbach

Vom antiken Mythos …

Der thrakische Dichter und Musiker Orpheus gilt als der berühmteste Sänger der griechischen Mythologie. Der Sage nach bekam er seine Lyra von Apollon, dem Gott der Musik, geschenkt. Orpheus bezaubert mit seiner Musik selbst wilde Tiere, Felsen weinen angesichts seines Gesangs, und das tosende Meer beruhigt sich. Er nimmt an den Kriegszügen der Argonauten teil. Seine geliebte Ehefrau ist Eurydike. Als sie, den Zudringlichkeiten des Aristaios entfliehend, durch einen Schlangenbiss ums Leben kommt, folgt Orpheus ihr in den Hades, um sie wieder auf die Erde zurück zu holen. Mit Hilfe seiner Musik bewegt er den Gott der Unterwelt dazu, ihm seine Geliebte zurück­zu­geben. Die Bedingung ist jedoch, dass Orpheus beim Aufstieg in die Oberwelt voran geht und sich nicht nach ihr umschauen darf. Doch als Eurydike seine Hand berührt, wendet er sich um und verliert sie auf ewig.

… über die Aufführungstradition …

Seit der Antike gibt es zahlreiche Bühnenfassungen dieses Stoffes, allein auf der Opernbühne bis heute über 20 Vertonungen. Zu den bekanntesten und auch heute noch aufgeführten Werke zählen die Opern von Monteverdi (1607) und Gluck (1762).

… zu Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ …

Am 21. Oktober 1858, also vor genau 150 Jahren, brachte Jacques Offenbach seinen „Orphée aux Enfers“ an den Bouffes-Parisiens in Paris heraus. Die Aufführung wurde ein triumphaler Erfolg, lief 228 Vorstellungen ohne Unterbrechung und sanierte Offenbachs Finanzen. Der antike Mythos dient in der Version von Jacques Offenbach und seinem Librettisten Hector Crémieux als Vorlage für einen satirischen Blick auf die Gesellschaft ihrer Zeit. Das amüsante und sehr geschickt kostruierte Libretto steckt voller Anspielungen, Anachronismen, verrückter Situationen und geistvoller Wendungen. Der Höllengalopp aus dem 4. Bild hat sich bis heute als "Cancan" geradezu zum unsterblichen Ohrwurm entwickelt.

… und der Aufführung durch das FLTB

Vorspiel
In einer Zeit, in der das Wissen um die griechische Götterwelt ein Fall für den Spezialisten geworden ist, lässt sich selbst die Truppe eines aufstrebenden südbayrisches Reisetheaters den „Mythos Orpheus“ von einer humanistisch geschulten Festspiel-Assistentin erklären. Zwar gibt es unverbesserliche Einzelstimmen, die für eine Aufführung der Werke Monteverdis oder gar Glucks plädieren, aber letztlich entscheidet man sich mehrheitlich für die Göttersatire des Jacques Offenbach.

1. Akt
Orpheus ist ein TV-bekannter Stargeiger, der mit der zuckersüßen Kosmetikerin seiner Frau fremd geht - Eurydike die unbefriedigte Ehefrau, die nur allzu gern ihren fiedelnden Gemahl los wäre und sich in die Arme des neuen Nachbarn Aristeus wirft. Hinter letzterem verbirgt sich aber der Höllengott Pluto selbst, der bald seine Maske aufgibt und Eurydike zur großen Freude des geigenden Gatten in sein Reich entführt . Nur unter Druck der „Öffentlichen Meinung“, die als symbolische Figur auftritt, findet sich Orpheus dazu bereit, Eurydike von Jupiter zurückzufordern.

2. Akt
Die Götter im Olymp geben sich dem Müßiggang hin. Es herrschen Langeweile und Dekadenz. Beinahe alles geht seinen gewohnten Gang: Amor gibt sein bestes, Menschenherzen zu verwirren, Diana klagt über abhanden gekommene Erdenliebhaber, Göttervater Jupiter wird eine neue Affäre unterstellt und seine Gattin Juno zürnt erwartungsgemäß. Heute geht es um das Verschwinden einer Erden-Schönheit namens Eurydike. Jupiters Verdacht fällt rasch auf seinen Bruder Pluto, den Gott der Unterwelt Doch auch der streitet die Entführung Eurydikes ab. Erst ein Aufstand der Götter, die eine Revolution wegen eintöniger Verpflegung anzetteln, rettet Pluto vor weiterem Verhör. Schließlich werden Orpheus und die Öffentliche Meinung vorstellig. Jupiter wittert seine Chance auf ein amouröses Abenteuer und man beschließt, gemeinsam bei einem Ausflug in die Unterwelt nach dem Rechten zu sehen.

3. Akt
Eurydike wird von Pluto in einem Vorhof der Hölle gefangen gehalten und von Joy Styx bewacht. Styx trauert besseren Zeiten nach, und bekämpft seine Nostalgie mit Wasser aus dem Fluss des Vergessens. Jupiter und Pluto erscheinen. Pluto versteckt seine Erden-Eroberung vor Jupiter, doch der schöpft Verdacht. Mit Amors Hilfe wird Eurydike aus ihrem Versteck gelockt. Um zum Objekt seiner Begierde zu gelangen, verwandelt Jupiter sich in eine Fliege und umschwirrt sie begierig. Der gefällt die hübsche Fliege noch mehr, als sie erfährt, wen sie tatsächlich vor sich hat. Gemeinsam beschließen sie die Flucht auf den Olymp bei nächster Gelegenheit.

4. Akt
Im höllischen Festsaal lässt sich Pluto von seinen Gästen aus dem Olymp feiern. Doch Jupiter zeigt sich von allen Ablenkungsmanövern unbeeindruckt. Als Überraschungsgast präsentiert er Eurydike. Ein klassisches Menuett, getanzt vom Göttervater selbst, wird zum furiosen Höllen-Galopp, als Eurydike die Tänze übernimmt. Jupiter will es nicht gelingen, Eurydike unbemerkt in den Olymp zu entführen. Orpheus erscheint, gedrängt von der Öffentlichen Meinung, seine Gattin zurückzufordern. Jupiter erklärt sich schließlich bereit, ihm Eurydike zurückzugeben. Eine Bedingung muss Orpheus aber zur Überraschung aller erfüllen: Er darf sich beim Gang ans Tageslicht nicht umdrehen. Doch dem Herrscher über Blitz und Donner ist es ein leichtes, Orpheus zum „Blick zurück“ zu bewegen. Aber was geschieht mit Eurydike?